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Ai Weiwei
Macht euch keine Illusionen über mich
Der verbotene Blog
Herausgegeben von Lee Ambrozy, August 2011
Originalverlag: The MIT Press
Deutsche Rechte: Verlag Galiani Berlin
bei Kiepenheuer & Witsch GmbH & Co. KG
Nicht erst seit seiner Verhaftung wurde Ai Weiwei zur Ikone des Kampfes für Meinungsfreiheit, Menschenwürde und das
Recht des Einzelnen auf individuelle Selbstentfaltung. Fast
vier Jahre lang dokumentierte er im Internet, was er in seiner
Heimat erlebte und was er sich dazu dachte – ein Glücksfall
allein schon dies, liest man doch endlich einmal nicht die
Analyse eines westlichen Experten, sondern den Bericht eines
Chinesen, der sein Land liebt, viele Entwicklungen aber
mit immer größerer Skepsis beobachtet: SARS, Milchpulverskandal,
Olympische Spiele, Korruption, Organhandel, der
Umgang mit dem Gedenken an das Massaker auf dem Platz
des Himmlischen Friedens – zuviel stößt ihm auf. Nach einem
großen Erdbeben, bei dem 20.000 Menschen zum Teil deshalb
starben, weil aus minderwertigem Material gebaute öffentliche
Gebäude zusammenfielen wie Kartenhäuser, beginnt
er – öffentlich und mit der Kamera in der Hand – nach
den Verantwortlichen zu fragen.
Und die Bevölkerung dazu
aufzurufen, sich zu organisieren. Zweimal wird er bei seinen
Recherchen zusammengeschlagen. Sein Blog gewinnt an
Wut – 2009 schreiten die Behörden ein, die Seite wird gesperrt,
alle Einträge werden gelöscht. Eine in Vorbereitung
befindliche chinesische Buchausgabe wird zurückgezogen.
Ai Weiwei twittert weiter, mit je 120 chinesischen Zeichen
pro Nachricht. 2011 verhaftet man ihn unter fadenscheinigen
Gründen.
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